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Spotlight Emotionen

Spotlight: Emotionen

Lass uns über Gefühle am Arbeitsplatz sprechen… Wenn diese Aussage jetzt ein peinlich berührtes Störgefühl bei dir auslöst, ist das vollkommen okay. In unserem Spotlight, das einmal im Monat erscheint 💌⁠, haben wir uns im Oktober damit beschäftigt, wie Gefühle entstehen, wie wir sie erkennen und warum sie am Arbeitsplatz genau richtig sind. Abonniere unseren Newsletter kostenlos, um kein Spotlight mehr zu verpassen.   

Geht es um unsere Emotionen, so haben wir über Jahre gelernt, dass sie am Arbeitsplatz nichts zu suchen haben – und manche, wie Wut, nicht einmal im Privaten. 💥

Und: “Über Gefühle reden” hat diesen leicht negativen Beigeschmack, nicht wahr? Es ist ein Satz, den wir vor einem Streitgespräch sagen oder bei unserer Therapeutin ansprechen. Aber doch bitte nicht im Büro. Das ist unprofessionell!

Dabei sind unsere Gefühle immer da – es wird also Zeit, dass wir über sie reden.

Unsere Spotlight Themen:

Unsere Spotlight Themen:

🧿 Gefühle am Arbeitsplatz? Ja, bitte!

Unsere Arbeitswelt ist kein emotionsfreier Raum. Denn natürlich freuen wir uns, wenn ein Projekt gut gelaufen ist. Wir finden den Witz unserer Kolleg*innen lustig, wir sind traurig nach einer Trennung. Wir sind wütend, wegen verletzter Gefühle. Das Spektrum ist groß – wie sollen wir das bitte vor der Bürotür lassen?

❓ Wozu all diese Gefühle?

Es ist ein weit verbreiteter Trugschluss, dass das Gefühl die Ursache ist. Also: Wir fühlen uns wütend, deshalb wollen wir jemanden anschreien. Wir fühlen uns glücklich, deshalb lachen wir. Dabei sind unsere Emotionen ein Symptom, ein Ausdruck unserer inneren Bedürfnisse. 💡
Im Umkehrschluss bedeutet das: Nur weil ich schreie, ist die Wut nicht weg. Wenn ich einmal nicht lache, bin ich trotzdem noch glücklich.

Erkennen wir, welche Bedürfnisse hinter unseren Gefühlen stecken, wird es einfacher, mit ihnen umzugehen. Und gleichzeitig lernen wir uns selbst besser kennen.

Bedürfnis ➡️ Gefühl ➡️ Gefühlsäußerung

Was bedeutet das am Arbeitsplatz? Gemäß gesellschaftlicher Konventionen sollten wir dort nur ein Bedürfnis haben: gute Arbeit zu leisten. Dass das nicht so ist, weiß jede*r von uns. Wir wünschen uns viel mehr, zum Beispiel Sicherheit und Selbstbestimmung, aber auch Spaß und Zugehörigkeit. Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt, sind wir bestenfalls unzufrieden. Im schlimmsten Fall macht es uns krank.

So informiert das Bundesministerium für Gesundheit, dass eine anhaltend hohe Belastung am Arbeitsplatz – die auch durch verletzte Bedürfnisse entstehen kann – die Gefahr, psychische Krankheiten zu entwickeln, um 50% steigert.

Bedürfnisse am Arbeitsplatz Theorie
Bedürfnisse am Arbeitsplatz Realität

💡 Wie entstehen Gefühle?

Am Beispiel von Wut möchten wir dir erklären, welche Rolle das Erkennen unserer Emotionen spielt.
Hier haben wir einen klassischen Kreislauf der Wut skizziert – und wie wir ihn durchbrechen können.

Wie gehen wir mit Wut um?
Wenn wir Wut anerkennen

Im Meeting wird die Arbeit unseres Kollegen gewürdigt, unsere Leistung wird dabei einfach übergangen oder geringgeschätzt. Ärger steigt in uns hoch, doch wir wollen die Professionalität wahren. Wir nicken, lächeln, kochen innerlich.

Unser Bedürfnis nach Anerkennung wurde verletzt. Dass uns das wütend werden lässt? Völlig normal. Wir müssen diese Wut jedoch weder exzessiv ausleben, noch herunterschlucken. 💥

Es gibt einen dritten Weg:
Wir können die Wut anerkennen. Wir können uns sagen: “Okay, ich bin wütend” und dann nach dem Warum fragen. Und schließlich sind wir in der Lage, dieses Wissen in eine Aktion umzuwandeln. Statt jemanden anzuschreien oder uns verletzt zurückzuziehen, haben wir nun die Chance, wirklich etwas zu verändern. 💜

Im nächsten Meeting können wir freundlich, aber bestimmt auf unsere Leistung hinweisen. Für uns einstehen, für andere.

Unsere Gefühle zu erkennen, bedeutet nicht, zu eskalieren. Es ist vielmehr eine sanfte Veränderung, die in uns passiert und zu mehr Klarheit führt.

✍️ Übung: Gefühle erkennen

Wir haben wirklich hart daran gearbeitet, unsere Gefühle zu verbergen. Uns etwas nicht anmerken zu lassen. Das ist nicht konstruktiv und verantwortungsbewusst – es ist Verdrängung. Wie also können wir anders mit unseren Emotionen umgehen?

📝 Gefühlstagebuch

Um ein Bewusstsein für unsere Bedürfnisse zu entwickeln, kann ein Gefühlstagebuch helfen. Es gibt wunderbare Vorlagen, wie zum Beispiel Ein guter Tag. Aber auch ein einfaches Notizbuch ist ausreichend.
Schreibe dir dazu jeden Abend auf, welche Gefühle heute besonders präsent waren. Zu Beginn kannst du auch nur eines auswählen. Analysiere die Situation, in der das Gefühl auftrat und versuche so, herauszufinden, welches Bedürfnis der Auslöser war.

🧘 Meditation

Meditieren wir, so gehen wir in Resonanz mit unserem Körper und Geist. Dabei ist Meditation schon lange keine spirituelle Technik mehr. Die Wirkung auf unsere mentale und körperliche Gesundheit ist mittlerweile durch wissenschaftliche Studien belegt. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass wir den Umgang mit emotionalen Reaktionen besser regulieren können, wenn wir seit längerem meditieren. Apps wie 7mind oder Headspace unterstützen dabei und werden teilweise von Arbeitgeber*innen oder Krankenkassen übernommen.

Wenn ich meine Bedürfnisse jedoch genau kenne, benennen kann und sie in einem Spannungsverhältnis zu denen anderer Menschen begreife, habe ich handfeste Ansatzpunkte, um etwas zu verändern und klar und konstruktiv mit meinem Umfeld darüber zu kommunizieren.

Ich kann Verantwortung für meine Gefühle übernehmen, indem ich aktiv mit ihnen arbeite. Durch diese Formen der Verantwortungsübernahme kann eine andere emotionale Freiheit entstehen. Emotionen sind dann keine unberechenbaren Bewusstseinsveränderungen, die mich überfallen. Sondern sie sind begründbar. Ich kann sie innerlich nachvollziehen und mit ihnen arbeiten.

Vera Strauch in “UNBEQUEM – Eine Aufforderung zum Anecken”

💪 Rebecca Lübke spricht über resiliente Teams

Rebecca Lübke ist Psychologin und bereichert das Team der Female Leadership Academy seit August. Sie ist nicht nur maßgeblich an der Erstellung der Inhalte unserer Programme beteiligt, sondern leitet auch Impuls-Sessions, Workshops und Netzwerk-Sessions.

📖 Unsere Buchtipps

1️⃣ “UNBEQUEM – Eine Aufforderung zum Anecken” von Vera Strauch ist am 4. Oktober 2022 erschienen. In ihrem Buch schreibt sie darüber, wie wir das Unbequeme leben können – mit uns selbst, mit anderen und mit der Gesellschaft. Im ersten Teil beschreibt sie, wie ein Umgang mit unseren eigenen Gefühlen erlernt werden kann und wieso er so wertvoll ist. 💜

2️⃣ Wut – ein großes Gefühl, das Menschen im Allgemeinen aber Frauen* im Speziellen eher abgesprochen wird. Schon als Kinder lernen wir, dass Wut nicht gut ist und beginnen, sie zu unterdrücken. Als Erwachsene spüren wir diese Wut gar nicht mehr wirklich, denn sie äußert sich eher als Trauer oder Hilflosigkeit. In Speak out! Die Kraft weiblicher Wut nennt Soraya Chemaly nicht nur wirklich gute Gründe, als Frau* in unserer Gesellschaft wütend zu sein – sondern auch, wie wir endlich einen Umgang mit diesem Gefühl finden und Wut als Energie für Veränderung nutzen können. 💪

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